Schätzungsweise seid ihr schon über diese Abstrusität gestolpert (und vielleicht wurde sie hier irgendwo schon einmal thematisiert und ich habe es schlichtweg übersehen), aber dennoch:
Eine Passauer Direktorin empfindet alltägliche Grußformeln plötzlich als unhöflich und besinnt sich auf bayerische Traditionen.
An einer Passauer Schule steht der norddeutsche Gruß auf dem Index - genauso wie das eigentlich recht neutrale "Hallo". Denn für Rektorin Petra Seibert sind beides Reizwörter, beides empfindet sie als unhöflich und hat daher ab sofort ihre Schule zur "Hallo- und Tschüs-freien Zone" erklärt. (...)"
"Unterstützung erhält die Rektorin von prominenter Seite. Die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär sagte der "Welt", sie fände die Aktion sehr gut. "In Zeiten der Globalisierung kämpfen wir ohnehin für den Schutz der deutschen Sprache. Es ist gut, wenn Schüler wissen, wo ihre Heimat ist und ein Bewusstsein dafür geschaffen wird."
Wieso überrascht es mich nur nicht, dass es in Bayern passiert und Unterstützung von Seiten der CSU erhält?
"Schutz der deutschen Sprache". Warum nicht gleich die Sprachevolution gänzlich abweisen und nur noch in der indogermanischen Ursprache kommunizieren? Definitiv Kopf schütteln, oder Senken, vor Fremdscham.
Ob "Grüß Gott" höflicher als "Tschüs" ist, darüber mögen sich Süd- und Norddeutsche streiten. Bedeuten tun die beiden Grußformeln wohl das Gleiche: Denn laut Wikipedia soll sich das lockere "Tschüs" aus "atschüs" entwickelt haben - und das lässt sich - je nach Philosophie - auf das spanische "adiós" oder das französische "adieu" zurückverfolgen. Übersetzt: "zu Gott".
Gibt es hier zufällig Sprachwissenschaftler, die das bestätigen können?
Ich glaube, ich werde aus reiner Willkür auch damit anfangen, den Gebrauch bestimmter Wörter und Floskeln in meiner Gegenwart zu verbieten, weil ich sie als ekelhaft und/oder unhöflich empfinde.